5 TIPPS FÜR INTERVIEWS MIT DEM SMARTPHONE

Gute Interviews hängen von vielen Faktoren ab. Jedes Interview folgt bestimmten Regeln und diese bleiben stets gleich. Bei einem Interview mit dem Smartphone sollte man aber auch noch einige andere Dinge beachten.

Gerade wenn Sie neu starten und andere interviewen wollen, dann müssen Sie auf Vieles achten und da kann leider einiges nicht ganz nach Wunsch gehen…

Ein lustiges Beispiel für ein schief gegangenes Interview mit Willy Brandt müssen Sie sich unbedingt anschauen. Ich habe es unten eingebunden.

Was genau passiert ist? Brandt bemerkt, dass er auf die geschlossenen Fragen des Reporters einfach nur mit geschlossenen Antworten reagieren kann: ja, doch, nein. Sein verschmitztes Lächeln zeigt, er macht das ganz bewusst. Was uns heute zum schmunzeln bringt, muss ja nicht gleich jeder durchmachen…

Damit Ihr Interview nicht schief geht, habe ich hier fünf Tipps für Interviews mit dem Smartphone: dabei geht es um Form, Technik, Aufnahme, Inhalt und die richtige Vorbereitung.  

Hier folgen nun die fünf Tipps für Ihr Interview

TIPP 1: FORMEN VON INTERVIEWS

Wie so oft ist eine gute Vorbereitung sehr wichtig. Deshalb sollten Sie vorher überlegen, welche Art von Interview Sie führen werden (siehe Schaubild unten). Dementsprechend wissen Sie dann auch: brauche ich zwei Kameras oder nur eine? Benötige ich mehrere Mikrofone? Wie sieht es mit dem Licht aus?

Eine Form des Interviews ist der gesetzte O-Ton: hierbei kommen die Fragen vom Filmer oder dem Reporter aus dem Off. Diese hört man meist nicht mehr im fertigen Film, sondern werden als Stimmen oder Expertenmeinung in den Beitrag eingeflochten. Die Hauptfigur sitzt oder steht vor einer statischen Kamera.

Bei einer Reportage mit beiläufigen O-Tönen spricht man von einem situativen O-Ton. Die Kamera läuft dabei bei den Tätigkeiten des Hauptprotagonisten mit und der Reporter fängt in der Situation die entsprechenden O-Töne ein. Hierbei steht im Vordergrund, dass der Zuschauer das Gefühl hat, mitten im Geschehen dabei zu sein.

Eine klassische Form von Interview ist eine Frage-Antwort-Situation im Studio, so wie wir das bei Talkshows kennen. Es gibt meist mehrere Kameras, deren Bildeinstellung statisch bleibt. Sie können diese Interviewform auch für Lehrvideos einsetzen.

Straßenumfragen nennt man auch Vox Pops. Dabei holt der Reporter unterschiedliche Meinungen zu einem bestimmten Thema ein. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das sehr viel Spaß machen kann (Beispiel), besonders wenn die Antworten vielfältig sind und die angesprochenen Leute gerne vor der Kamera stehen und reden.

Auch eine Live-Situation kann eine Form von Interview sein. Hierbei kann man Experten mit einbinden, Fragen von Followern oder von Zuschauern beantworten oder weitere Infos über eine Live-Schalte einholen. Ist man beispielsweise bei Instagram live kann man eine weitere Person dazu holen, die eine andere Meinung zum behandelten Thema hat und so das Live spannender gestaltet.

 

 

TIPP 2: WELCHE TECHNIK SETZE ICH BEIM INTERVIEW EIN?

Die Form des Interviews bestimmt auch, welche Technik zum Einsatz kommt. Welches Mikrofon nutze ich? Brauche ich Licht? Wie viele Personen interviewe ich?

Der Ton ist wichtiger als das Bild. Deshalb gilt es, die richtige Wahl für ein Mikrofon zu treffen.

Hinweis: Ich habe Ihnen eine Liste an möglichen Mikrofonen für Smartphones zusammengestellt. Sie erhalten diese, wenn Sie sich am Ende des Blogposts in die Infopost von So Handy eintragen. 

Ein Ansteckmikrofon (oder Lavalier) wird etwa 15 cm unter dem Kinn des Interviewten angebracht. Es ist ziemlich unauffällig und der Interviewpartner kann sich frei bewegen. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass das Mikrofon nicht bedeckt wird oder an der Kleidung scheuert. Diese Art von Mikrofon ist mein Favorit, weil ich damit den besten Ton ohne großen Aufwand erhalte.

Wer wie ein Reporter interviewen möchte, nutzt ein Stab- oder Handmikrofon. Dieses gibt es in unterschiedlichen Varianten, kabellos, mit Interface (z.B. iRig Pro) oder über Bluetooth (was jedoch sehr anfällig ist). Der Vorteil dieses Mikrofons ist es, dass man dem Interviewpartner das Mikrofon hinhält. So kann man bei kritischen Fragen noch einmal nachhaken und hat selbst in der Hand, wann das Gegenüber spricht. Der Nachteil liegt auf der Hand: das Mikrofon ist im Bild zu sehen. Und das kann störend wirken. Besonders wenn die Frage nicht im Video enthalten, sondern nur die Antwort zu hören ist.

Ein Richtmikrofon ist vor allem dann geeignet, wenn man Hintergrundgeräusche aufnehmen will oder weiß, dass man nah an der Kamera bleibt. Denn es gilt, je näher der Interviewpartner am Mikrofon ist, desto besser der Ton. Für Aufnahmen von der Atmosphäre eines Ortes ist es aber gut geeignet. Das Richtmikrofon wird direkt an der Kamera befestigt und wird häufig von Vloggern verwendet, weil das Mikro immer noch einen besseren Ton hervorbringt als die (Handy)Kamera selbst.

Für entspannte Aufnahmen ist ein Stativ von Vorteil. Wenn Sie wissen, dass Sie mehrere Personen interviewen oder verschiedene Perspektiven auf den Interviewpartner wünschen, dann nehmen Sie gleich zwei Stative zur Hand. Achten Sie dabei unbedingt auf die 360 Grad-Regel (siehe unten). Sind zwei Kameras im Einsatz, bedeutet das mehr Varianten im Schnitt. Allerdings muss der Ton im Anschluss synchronisiert werden. Welche Möglichkeiten es noch gibt, erfahren Sie im Tipp 3.

Es ist auch machbar, mit dem Smartphone Interviews aus der Hand zu filmen, das erfordert aber etwas Übung. Hilfreich ist dafür ein Handstativ, das besser in der Hand liegt und durch eine Beschwerung für zusätzliche Stabilität sorgt  (z.B. von Shoulderpod, Joby, Manfrotto). Was dabei noch alles bei der Aufnahme zu beachten ist, folgt in Tipp 3.

Ein externes Licht (z.B. LED) macht besonders Sinn, wenn man weiß, dass man in einer dunklen Location filmt. Damit wird die Aufnahme nicht so körnig bzw. rauscht nicht so stark. Außerdem ist der Interviewpartner gut zu sehen. Allerdings empfinden viele Interviewpartner das grelle Licht als unangenehm.

 

 

TIPP 3: WIE ERHALTE ICH EINE GUTE AUFNAHME MIT DEM HANDY?

Wie immer gilt: unbedingt Fokus und Belichtung feststellen, damit die Kameralinse des Handys nicht “pumpt”, einen Farbwechsel vornimmt oder die Person unscharf stellt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Linse auf Augenhöhe sein sollte. Um der Person gegenüber zu helfen, sollte man sich als Fragender auf Höhe der Linse stellen. So weiß der Interviewpartner, wohin er schauen soll. Dabei sollte man unbedingt beachten, nur zu nicken und keine zustimmenden Laute oder sogar ein Wort von sich zu lassen. Das ist im Schnitt schwierig herauszufiltern.

Apropos Linse: in die Linse schauen oder an der Kamera vorbei? Bei Social Media ist es immer mehr üblich, dass die Person direkt in die Linse schaut, weil sie so den Zuschauer direkt anspricht. Das erzeugt Nähe. Als gelernte Fernsehredakteurin bin ich es gewohnt, dass die Person an der Linse vorbeischaut, so wie in einem Gespräch. Beachten Sie dabei, dass der oder die Sprechende nicht “aus dem Bild” herausschaut, sondern in die offene Bildhälfte blickt. Platzieren Sie außerdem den Interviewpartner an der Schnittstelle von zwei Dritteln im Bild. Und achten Sie zudem auf Kopfraum.

 

Halten Sie die 180-Grad-Regel ein, wie im Schaubild unten dargestellt. Wechseln Sie während eines Interviews niemals auf die gestrichelte Seite mit Ihrer Kamera. Das erzeugt den so genannten Achsensprung, was den Zuschauer irritiert. Es sei denn, Sie nutzen diesen ganz bewusst als Stilmittel, um die Person am Video zu verwirren oder eine Person im Interview auf bestimmte Weise zu charakterisieren. 

 

Wenn Sie keine zwei Kameras haben, nutzen Sie den Fakt, dass Smartphones heutzutage in 4 K aufnehmen können. Dann können Sie im Schnitt die Person näher ranholen und so eine zweite Kamera simulieren – und das ganz ohne einen Qualitätsverlust. 

Machen Sie vor der Aufnahme unbedingt einen Audio-Test, um zu schauen, ob alles gut funktioniert. Ganz oft hilft es, das Mikrofon erst einzustecken, wenn man die Film-App bereits aufgerufen hat. Ansonsten erkennt das Smartphone das Mikrofon nicht. 

Nehmen Sie lieber lauter kleine Clips auf und nicht das ganze Interview an einem Stück. Stoppen Sie die Aufnahme am besten nach jeder Frage. So verhindern Sie, dass der Ton und das Bild irgendwann asynchron wird. Für das Auge erstmal unbemerkt, wird das wirklich schwierig im Schnitt.

TIPP 4: VOR DEM INTERVIEW IST VORBEREITUNG ALLES!

Bereiten Sie sich gut auf Ihren Interviewpartner vor. Googeln Sie die Person und notieren Sie sich wichtige Infos. Bei spontanen Straßenumfragen achten Sie auf die Vielfalt der Antworten.

Überlegen Sie vorab, welche Antworten Sie für Ihren Film brauchen. Vielleicht reicht auch nur ein kurzes Statement, ein Wort, ein Satz?

Wenn Sie es können, seien Sie früh vor Ort und schauen sich um. Wie sind die Lichtverhältnisse, wo kann die Kamera platziert werden und welche Ecke ist überhaupt nicht geeignet, weil ständig Publikumsverkehr herrscht?

Wenn Sie Ihren Protagonisten antreffen, sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre. Small Talk und Fragen über die Anreise lockern nicht nur den Interviewpartner auf…

 

TIPP 5: DER INHALT oder WIE GESTALTE ICH DAS INTERVIEW?

Beim Einstiegfilm mit Willy Brandt haben wir gelernt: unbedingt offene Fragen stellen, die nicht mit JA oder NEIN beantwortet werden können. Hilfreich können dabei die W-Fragen sein.

Halten Sie den Augenkontakt zu Ihrem Gesprächspartner, so als ob Sie in einem normalen Gespräch ohne Kamera seien. Wie oben schon erwähnt, nicken Sie dem Gesprächspartner zustimmend zu. Äußern Sie aber keine Zustimmung, denn das stört den Film und im Ton ist das gut gemeinte “Genau” oder “mhmm” schwer rauszufiltern.

Wenn die Frage nicht im On zu hören ist, lassen Sie Ihren Interviewpartner unbedingt die Frage wiederholen. Zum Beispiel: “Wie sehen Sie die Zukunft des Fernsehens?” Antwort: “Die Zukunft des Fernsehens sehe ich…”

 

FAZIT

Wenn Sie die fünf Tipps beachten, können Sie gleich mit Ihrem ersten Interview loslegen.

Wie oben erwähnt, können Sie sich unten in die Liste eintragen. Dann erhalten Sie eine Liste von geeigneten Mikrofonen für Interviews mit dem Smartphone. Außerdem noch ein paar Tipps zu der Handhabung der Mikrofone.

Hier ist noch einmal ein Überblick in Form einer Sketchnote von Stephanie A. Kowalski grandios bei einem Vortrag von mir zusammengefasst:

Mikrofonliste als Download

Ich habe Ihnen eine Liste mit Mikrofonen als Auswahl für Interviews mit dem Smartphone zusammengestellt: von günstig bis teuer, kabellose Lösungen oder Ansteckmikrofone. 

      ÜBER SO HANDY 

 

Ich bin seit fast fünf Jahren mit dem Smartphone für echte Geschichten unterwegs.
Weil ich so neugierig bin, liebe ich es, mit Menschen zu reden oder mich auf neue Ideen einzulassen.
Dabei stehen bei mir soziale, internationale und digitale Themen im Vordergrund.
Ich bin dankbar dafür, dass mich meine Arbeit auch immer mal wieder ins Ausland führt, so dass ich neue Blickwinkel bekomme.
Mehr über meine Arbeit und mich finden Sie hier oder auf der Startseite.